Freitag, 10. Mai 2019

Von Porto Santo nach Portimao


Porto Santo - Portimao/Portugal 465 sm
gesamt 3.672,8 sm



Am frühen Donnerstagbend, 02.05.2019, bekommen wir von unserem Wetterrouter Sebastian die Aussichten für den Törnverlauf. Wir segeln auf längeren Strecken eher zurückhaltend - also lieber einmal früher reffen oder später wieder ausreffen usw. Daher haben wir die durchschnittliche Bootsgeschwindigkeit für das Routing auf 5 kn zurückgesetzt. Das Wetterrouting lässt die Vorfreude auf die kommenden Tage steigen:

Die Wetterlage sieht sehr sehr gut aus.
Heute ist es zwar noch recht windig, doch morgen nimmt der Wind stark ab, denn das winderzeugende Tief zieht langsam nach Osten ab.
Gleichzeitig kann sich das Azorenhoch etwas in die Biskaya erstrecken und somit dreht auch der Wind etwas.
Das ist sehr günstig, denn aus NE bis N wird morgen und dem Linksdreher mehr NW. Unter diesen Bedingungen geht es dann auf direktem Wege in Richtung Portimao.
Zwar pendelt der Wind immer etwas, aber meist bleibt er auf der Richtung NW stehen und weht um 4 Bft.
Auch hier pendelt er ab und an, so dass er mal 5 Bft, aber auch mal 3 Bft erreicht.
Sollte er zeitweise zu spitz einfallen (am 4.5.), dann gerne etwas abfallen, denn am 5.5. dreht er wieder zurück und es kann wieder auf direkten Kurs gehen.
Wettergefahren drohen keine, einzig die Dünung kann auf den ersten Meilen noch etwas höher sein, nimmt aber rasch ab.
Bessere Bedingungen gibt es also kaum für den Absprung zurück ans Festland Europas.
Streckenwetter:
LEGENDE: Zeit [UTC] | Position [LAT LON] | Windrichtung | Windstärke [bft] | Böen [bft] | Wellenhöhe [m] | Wellenperiode [s] | Dünungsrichtung [°] | Luftdruck [hPa] | Temperatur (2m) [°C] | sign. Wetter | Strömungsrichtung [°] | Strömungsgeschwindigkeit [kts]
Fri 03/05/2019
10:00 | 33°03.3' N 16°18.9' W | NNW | 4-5 | 5 | 1.8 | 8.0 | NNE | 1016 | 16 | bedeckt | 96 | 0.10
10:30 | 33°03.2' N 16°15.5' W | NNW | 4 | 5 | 1.8 | 8.0 | NNE | 1016 | 16 | bedeckt | 76 | 0.07
12:00 | 33°07.9' N 16°07.4' W | NNW | 4 | 5 | 1.9 | 8.0 | NNE | 1016 | 17 | bedeckt | 94 | 0.14
18:00 | 33°27.0' N 15°34.3' W | NNW | 4 | 5 | 2.0 | 8.0 | N | 1015 | 17 | wechselnd bewölkt | 110 | 0.16
Sam 04/05/2019
00:00 | 33°45.9' N 15°01.0' W | NNW | 3-4 | 5 | 1.8 | 8.0 | N | 1017 | 17 | wechselnd bewölkt | 115 | 0.44
06:00 | 34°05.2' N 14°26.6' W | NNW | 4 | 5 | 1.8 | 8.0 | N | 1015 | 17 | gering bewölkt | 330 | 0.35
12:00 | 34°23.6' N 13°53.2' W | N | 3 | 5 | 1.5 | 8.0 | N | 1017 | 16 | wechselnd bewölkt | 182 | 0.23
18:00 | 34°41.3' N 13°20.5' W | N | 3 | 4 | 1.4 | 8.0 | N | 1017 | 17 | wechselnd bewölkt | 229 | 0.24
Son 05/05/2019
00:00 | 34°58.6' N 12°48.3' W | NNW | 3-4 | 4 | 1.4 | 8.0 | N | 1018 | 16 | bedeckt | 294 | 0.65
06:00 | 35°15.4' N 12°16.3' W | NW | 4 | 4-5 | 1.4 | 7.0 | NNW | 1017 | 15 | bedeckt | 240 | 0.39
12:00 | 35°31.9' N 11°44.6' W | WNW | 3-4 | 4-5 | 1.2 | 7.9 | NNW | 1020 | 16 | bedeckt | 160 | 0.37
18:00 | 35°49.2' N 11°10.6' W | NW | 4 | 4-5 | 1.2 | 7.0 | NNW | 1019 | 16 | bedeckt | 101 | 0.43
Mon 06/05/2019
00:00 | 36°07.6' N 10°34.0' W | NW | 4-5 | 5 | 1.4 | 7.0 | NW | 1021 | 16 | bedeckt | 24 | 0.48
06:00 | 36°26.1' N 9°56.5' W | NW | 3 | 5 | 1.3 | 8.0 | NW | 1021 | 15 | bedeckt | 201 | 0.15
12:00 | 36°42.7' N 9°22.0' W | NW | 3 | 3-4 | 1.0 | 8.0 | NW | 1023 | 15 | wechselnd bewölkt | 63 | 0.41
18:00 | 37°00.8' N 8°44.0' W | NW | 4 | 5 | 0.5 | 4.7 | W | 1021 | 16 | wolkenlos | 121 | 0.30
20:04 | 37°06.8' N 8°31.3' W | NW | 3 | 5 | 0.4 | 2.6 | WNW | 1021 | 17 | wolkenlos | 116 | 0.19
ETA: Mon 06/05/2019 20:04
Zusammenfassung:
Reisestrecke: 453.90 nm
Reisezeit: 82:04:33 h

Freitag, 03.05 2019
Wir legen um 1020h ab. Nach dem üblichen Verstauen von Fendern und Leinen wird noch im Hafen das Großsegel vorsichtshalber im 1. Reff gesetzt. Die Wind- und Wellensituation auf freier See ist an der Leeküste nicht gut einzuschätzen, und ausreffen ist leichter als einreffen. Immer wieder treffen wir auf Flautenlöcher oder Fallböen in Lee der Insel, so dass bis zum Verlassen der Windabdeckung von Porto Santo der Motor langsam mitläuft. Auf dieser kurzen Strecke von 3,2 sm wollen wir keine Zeit verlieren. Um 1100h rollen wir die Genua 3 aus und stellen den Motor ab.

Der Wegepunkt an der SW-Ecke des breiten Verkehrstrennungsgebietes (rd. 40 sm, fünf "Fahrspuren" für die Berufsschiffahrt) ist mit rw 60° zu erreichen. Sir Henry wird per Knopfdruck aus dem Schlaf geweckt und macht sofort seinen Job. Die folgenden vier Tage wird er ununterbrochen Kurs halten und uns nach Portugal steuern. Es ist sehr komfortabel, eine gut funktionierende zuverlässige Selbststeuerung sowie eine reichhaltige Akkukapazität zu haben. So sind wir auch bei Segelmanövern immer beide voll einsetzbar.

Evtl. werden wir das Verkehrstrennungsgebiet nachts erreichen und wollen es dann nicht queren, sondern lieber umfahren - mit dem großen Vorteil, dass uns selbst die dicksten Pötte ausweichen müssen, ggf. auch ein Containerriese von 400 Metern Länge. Vorweggenommen - das funktioniert übrigens hervorragend. Dies liegt sicherlich auch an der guten Sichtbarkeit des Häwelmann:
> AIS-Transponder (läuft Tag und Nacht)
> aktiver Radarreflektor (läuft Tag und Nacht)
> nachts eine Dreifarbenlaterne (Navigationsbeleuchtung als Zeichen, dass es sich bei uns um einen Segler handelt) auf dem Masttop also in ca. 18 Metern Höhe,
> und wenn der Captain dann noch nicht reagiert, wird er per UKW-Seefunk von uns angerufen und das Ausweichmanöver "abgestimmt". Dazu kann auch gehören, dass wir ein Schiff passieren lassen, indem wir z.B. unsere Fahrt verlangsamen.


Der Wind weht frisch und die Wellen sind noch recht mächtig. Unter der Küste läuft die See unregelmäßig, da sie von der Insel abgelenkt wird. Nach einer Stunde ist der Abstand zu Porto Santo groß genug und es stellt sich heraus, dass wir mehr Segel tragen können, damit der Häwelmann ruhiger durch die Wellen zieht und um schneller voranzukommen - also ausreffen. Für den Start haben Barbara und ich jeweils eine Tablette gegen Seekrankheit genommen (Vomex A). Diese macht uns träge, so dass wir den Tag überwiegend im Cockpit oder in der Koje liegend verbringen. Übelkeit entsteht aber nicht.  Wer im Cockpit liegt hat Wache und muss regelmäßig Ausschau halten. Wir tragen dann immer eine Schwimmweste und sind mit dem Safetybelt angeleint. Wer in der Kajüte auf der Salonkoje liegt, kann schlafen. Wir wechseln immer mal den Standort. Um 2045h geht die Sonne unter.


Bevor es ganz dunkel ist, stecken wir für die Nacht wieder ein Reff ins Großsegel. Wir segeln dann zwar ein wenig langsamer, sind aber auf ggf. zunehmenden Wind besser vorbereitet. Die Nacht wird bewölkt und daher sternenlos. Es ist wenige Tage nach Neumond und zappenduster.

Sonnabend, 04.05.2019
Der Wind hat sich über Nacht auf NNW 3-4 Bft. eingependelt. Der Seegang ist deutlich geringer geworden. Um 0900h wird das "Nachtreff" ausgeschüttet. Um 1030h notieren wir ein Etmal von 121sm.

Auch diesen Tag verbringen wir außer für Segelmanöver überwiegend dösend im Cockpit oder in der Koje. Wir sind zwar nicht seekrank, doch offensichtlich hat die Tablette ausgebremst und wir haben uns auch am zweiten Tag auf See nicht richtig "eingeschaukelt". Der Wind nimmt zeitweise auf lediglich 2 Bft. ab und dreht verschiedentlich. Das Segeln wird mühsam, aber wir haben noch viele Meilen vor uns, die wir mit unseren Diesevorräten nicht zurücklegen könnten.

Sonntag, 05.05.2019
Um 0320 h ist der Wind eingeschlafen. Wir haben jetzt 196 sm zurückgelegt. Es hilft nichts - der Motor muss ‘ran. Leider kann uns ja keiner sagen, wie lange die Flaute andauert. Zur Senkung des Dieselverbrauchs läuft der Motor nur mit 1.500 rpm und bringt den Häwelmann auf 4,5 kn. Das reduziert unser Etmal: 103 sm. Wir sind heute wacher, wir haben uns eingeschaukelt. Der Tag ist sonnig und warm.


Die Flaute und das glatte Wasser ermöglichen uns, Wale, Schilkkröten und Seevögel zu beobachten. Beeindruckend!!!


Auch bekommen wir Besuch von einem geschwächten Vogel. Nach einer halben Stunde Erholung startet er wieder.


Der Motor brummt. In meinem Kopf laufen diverse Rechenspiele ab über Dieselverbrauch und -vorräte, eine nicht richtig anzeigende Tankuhr (vor der Reise erneuert, hat keine zwei Monate gehalten), noch vor uns liegende Distanzen usw. Denn: Wie lange hält die Flaute an? Es wird dunkel. Meine Nachtwache unter sternenklarem Himmel ist wunderbar. Die Sterne erstrecken bis hinunter an den Horizont und spiegeln sind im Atlantik. Ich bekomme Besuch von Delfinen, die bläulich-weiß fluoreszierende Bahnen im Wasser hinterlassen. Auch die Bugwelle des Häwelmann sowie sein Kielwasser werden durch die entsprechende Algenart verursacht. So geht es nahtlos in den

Montag, 06.05.2019
über, bis Barbara mich um 0730h ablöst. Um 0900h tanken wir 30 Liter Diesel aus den Reservekanistern nach. Wir sind fit und haben uns an das Bordleben auf See gewöhnt. Auch das vorbereitete Essen schmeckt heute viel besser.


Das bislang noch als Stützsegel gegen Schaukeln stehende Großsegel bergen wir um 0930h. Wegen der Schiffsbewegungen durch die Atlantikdünung schlägt es und rüttelt am Mast des Häwelmann. Um 1030h notieren wir ein Etmal von 104 sm. Hochgerechnet würden wir demnach am Mittwoch Nachmittag in Potimao ankommen - sofern der Diesel reicht. Anderenfalls können wir nur so lange unter Motor fahren, bis die letzten 10 Liter für Hafenmanöver aufgespart sind. Ein Segelversuch wird nach 1 1/2 Stunden abgebrochen, wir haben gerade eben 6 sm in dieser Zeit zurückgelegt... Es ist noch viel Geduld erforderlich, bis sich um 1454h das Wasser kräuselt und der Wind zurückkommt!!! Segeln ist wieder möglich!!!

Im Laufe des nachmittags setzt sich NW um 4 Bft durch. Herrlich, diese Ruhe, nur Wasserrauschen. Barbara übernimmt die erste Wache in die kommende Nacht hinein.


Bei weiterhin guter Geschwindigkeit werden wir nachts um 0130h den Wegepunkt am Verkehrstrennungsgebiet erreichen, und dann stehe ich rechtzeitig auf und übernehme.

Dienstag 07.05.2019
Um 0000h ist meine Nachruhe vorbei. Barbara weckt mich und verlangt ein Reff im Großsegel. Ich bleibe danach wach und Barbara kann ihre Nachtruhe früher als geplant antreten. Um 0210h haben wir den Wegepunkt 1 und damit die SW-liche Ecke des Verkehrstrennungsgebiets erreicht.


Der neue Kurs nach Portimao ist jetzt rw 40°. Für mich wird es eine abwechslungsreiche Nacht. Interessant ist immer wieder zu beobachten, wie die großen Schiffe uns mit ausreichendem Abstand passieren.


Der Wind nimmt langsam wieder ab, so dass ich um 0620h das Großsegel ausreffe. Um 0715h läuft der Motor wieder - Flaute. Ab 1000h ist im Dunst das Festland Portugals in Sicht.


Das Etmal um 1030h: 125 sm. Um 1300h sind wir am Reception-Ponton in Portimao fest, checken im Marina-Office ein und verholen an den Liegeplatz.

Wir sind gut ausgeruht in Portimao angekommen. Am Nachmittag tuchen wir die Segel auf, waschen die Salzkruste von Häwelmann sowie den Segeln, wischen vom Kajütboden die Salzspuren und Krümel weg und richten uns wieder für den Hafenbetreib ein.


Es bleibt sogar noch Zeit für einen Gang und an den schönsten Strand der Algarve, Praia da Rocha, sowie einen Sundowner mit Blick auf den Atlantik. Wir freuen uns, dass uns die Rückfahrt zum europäischen Festland so komfortabel gelungen ist.

Donnerstag, 9. Mai 2019

Warten und wandern auf Porto Santo

Nach der Abreise von Lisa und Sven, dem erneuten Kojenwechsel, Wäsche waschen und diese an Bord trocknen und klarschiff machen,


sollten wir noch acht Tage Zeit haben bis zum geeigneten Wetterfenster für die Überfahrt ans Festland. Diese Zeit nutzen wir um täglich mit unseren Segelfreunden Regina und Bernd von der Marretje die Windentwicklung zu checken und uns darüber auszutauschen. Bereits am 29.04.2019 zeichnet sich ein mehrtägiges Wetterfenster ab, d.h. wir könnten in vier bis fünf Tagen starten. Deshalb wollen wir Vier noch unbedingt zwei gemeinsame Ausflüge machen.

Aus dem Blog von unseren Segelfreunden Dörte und Felix von der Festina Lente erinnere ich ein tolles Foto mit einer aus Basaltsäulen geformten Felsformation, die einer ,,Orgel" ähnelt. Diese befindet sich am

Pico de Ana Ferreira
einem 283m hohem Hügel im Südwesten der Insel. Regina ist unsere perfekte Tourenplanerin. Mit dem Elektro-Taxi, was zufällig vor dem Restaurant im Hafen steht, geht es bis zu einer kleinen Kapelle am Fuße des zu umwandernden Hügels. Schnell ist ein breiter Schotterweg gefunden, der uns an aufgeforsteten Nadelbäumen vorbei,


zunächst in Richtung Südwesten am Hang entlang mit Blick auf die Calheta Bucht führt.


Wenn wir zurückschauen, erblicken wir die Bucht mit der Hafenanlage.



Danach geht es abwärts und wir erreichen eine Asphaltstraße. Wir kommen an der modernen Kläranlage Porto Santos vorbei und hier geht es wieder einen Schotterweg den Hügel hinauf Richtung Nordosten. Wir haben einen herrlichen Ausblick auf die weiten Sandflächen dieser trockenen Insel und den Golfplatz.


Dann folgt ein kurzer etwas steilerer Abstieg und wir erreichen ein Plateau mit einem Parkplatz auf dem größere Geländewagen parken und Touristen für einen kurzen Fotostopp ausladen. So geht es also auch...

 

Wir erblicken die beeindruckenden Felsformationen.


Wir verweilen hier, schießen einige Fotos, nehmen ein kleines Picknick ein


und gehen wieder zurück zur Kapelle. Da wir fit sind, beschließen wir zu Fuß in den Ort Vila Baleira zu laufen. An der alten Anlegebrücke gibt es eine Bude mit leckerem Bolo do Caco (Brot mit Knoblauchbutter) und etwas zu trinken.


Dann noch schnell im Pingo Doce einkaufen und weiter bis zum Hafen laufen und den Tag gemütlich im Cockpit ausklingen lassen.

Calheta Bucht
Zwei Tage später, am Dienstag, 30.04.2019, unternehmen wir gemeinsam mit Regina und Bernd am späten Nachmittag bei Ebbe und Sonnenschein mal wieder einen ausgedehnten Strandspaziergang vom Hafen ausgehend in die Calheta Bucht (ca. 8km). Alle, die auf Porto Santo waren, schwärmen noch lange von diesem schönen Strandabschnitt. Wir haben noch einmal herrliche Ausblicke auf den Atlantik, die Weite dieses Sandstrandes und die Hügel dieser Insel.


Am Strand werden zunehmend Vorbereitungen für den Saisonbeginn im Mai getroffen.

 

Die Ebbe legt bizarre von den Wellen geformte Felsstrukturen frei.


Nach 2 Stunden erreichen wir unser Ziel.


In der Calheta Bucht gibt es ein gutes Restaurant mit schöner Aussicht, in das wir vier einkehren, um unser Abschiedsessen einzunehmen.


Abschied von Porto Santo, wo wir an meinem Geburtstag nachts vor ca. 7 Monaten ankamen, Abschied von ,,unseren" 7 Inseln im Atlantik, auf denen wir bei angenehmen Temperaturen überwintert haben, auch ein Abschied von unseren Segelfreunden. Denn in wenigen Tagen werden wir die Leinen losmachen, um wieder ans Festland zu gelangen, dann trennen sich unsere Seewege. Heute aber können wir uns noch vom Shuttle des Restaurantbetreibers kostenfrei und herrlich gesättigt in den nun schon im Dunklen liegenden Hafen zurückfahren lassen.

Am nächsten Tag läuft der Countdown, denn es zeichnet sich ab, dass wir am Freitag, 03.05.2019, starten werden. Es wird noch einmal Wäsche gewaschen, getrocknet und wegsortiert. Unser Grabbag für Notfälle auf See wird wieder gepackt und alles wird seeklar verstaut. Wir kaufen Vorräte, bunkern Wasser, kochen/braten Lebensmittel vor und Regina, Bernd und ich backen eifrig Bananenkuchen nach einem bewehrten Rezept ihrer Mutter.


Es kommt ein wenig Anspannung auf, obwohl das Wetterfenster super erscheint für uns alle. Denn wir werden nicht die Einzigen sein, die starten. Mit uns werden sich weitere fünf Crews auf den Weg ans europäische Festland machen.  Marretje will schon einen Abend vorher starten. Wir lassen Wind und Welle auch von Sebastian, ,,unserem" Wetterrouter, analysieren und für uns steht danach fest: wir starten am Freitag, da die Wellenhöhe bis dahin noch etwas abnehmen soll.

Freitag, 26. April 2019

Porto Santo zu Viert

Porto Santo soll unser Starthafen sein, um an die portugiesische Küste zu segeln. Diesen Törn wollen wir zu viert mit Lisa und Sven durchführen. Daher checken wir regelmäßig morgens nach dem Frühstück das Wetter, also Stärke und Richtung von Wind und Windböen, Wellenhöhe sowie Wellenfrequenz. Leider zeichnet sich über mehrere Tage kein Wetterfenster ab, welches uns akzeptable Bedingungen für die Überfahrt ermöglicht. So werden Ausflüge und Wanderungen auf der Insel unternommen.

 

Weitere Highlights sind das gemeinsame Kochen und Abendessen und immer wieder Zeit für persönliche Gespräche.


Nach weiteren Tagen mit morgentlichem Wettercheck und dem Ergebnis, keine Startperspektive Richtung Festland zu erkennen, kommt der Wunsch nach ,,Ostersegeln" auf.


Karfreitag, 19.04.2019

Porto Santo rund 31,9 sm
gesamt 3.180,6 sm


Wir melden uns im Marinaoffice für ein paar Stunden ab mit der Bitte, unseren Liegeplatz frei zu halten. Die Marineros werden entsprechend informiert. Auch die GNR (lokale Polizei) informieren wir, dass wir nur ein paar Stunden segeln und am Nachmittag wieder im Hafen sein wollen. Die Windvorhersage verspricht N bis NE um 4 Bft, in Böen 6 Bft. Mit entsprechend verkleinerter Beseglung sollte eine Umrundung von Porto Santo möglich sein. So können wir auch Küstenabschnitte vom Wasser aus sehen, die von Land aus nicht zugänglich sind.

Um 1200h verlassen wir unseren Liegeplatz. Im Vorhafen ist genügend Platz, um das Großsegel im 1. Reff zu setzen. Nach Aufklaren der zahlreichen Leinen im Cockpit rollen wir nach Verlassen des Hafens das Stagsegel aus. Gegen den Uhrzeigersinn umrunden wir Porto Santo bei frischem Wind, Sonnenschein und Passatwolken.


Um 1820h liegt der Häwelmann mit zufriedener hungriger Crew wieder an seinem Platz am Fingersteg im Hafen.


Ostersonntag, 21.04.2019


Erstmals an Bord gibt es ein opulentes ausgiebiges Osterfrühstück.


Ein Segler hat nie frei und Feiertag... . Seit gestern steht die Tankanzeige des Schmutzwassertanks auf rot, d.h. er ist randvoll. Wir nutzen ihn im Hafen nur nachts. Die letzten Entleerungen haben offensichtlich nicht funktioniert. Entweder ist das Abflussrohr verstopft, was einfach aber unangenehm von außen zu reinigen wäre, oder das Seeventil ist in geschlossener Position defekt und nicht mehr zu öffnen, was nur an Land repariert werden könnte. Gut gestärkt vom Osterfrühstück übernimmt Sven einen ersten Tauchgang, um von außen unter Wasser zu prüfen, ob das Ventil geöffnet und lediglich verstopft ist.





Mit einem kleinen Stock bohrt er in die Borddurchführung hinein und taucht schnell wieder auf ... . Ein Glück, es ist keine große Reparatur erforderlich. Wir schließen das Ventil und werden es beim nächsten Segeln geöffnet lassen, um Auslass und Tank durchzuspülen. Die warme Dusche für Sven ist schon vorbereitet.


Den Nachmittag verbringen wir mit einem Strandspaziergang


und Relaxen in einer Strandbar.


Da sich weiterhin keine Wetterlage abzeichnet, gemeinsam ans Festland zu segeln, haben sich Lisa und Sven zwischenzeitich entschieden, in zwei Tagen mit der Fähre nach Funchal/Madeira zurückzufahren und von dort das Flugzeug nach Lissabon zu nehmen. Dort steht der Camper, und die Beiden werden dann ihre Reise fortsetzen. Die Abreise ist für Mittwoch, 24.04.2019, gebucht. Der Wunsch nach Segeln auf dem Atlantik ist jedoch noch nicht gestillt, und so planen wir für Ostermontag eine weitere Tour.


Ostermontag, 22.04.2019

segeln auf dem Atlantik 27,2 sm
gesamt 3.207,8 sm



Die Windvorhersage für heute ist etwas sportlicher als für den Karfreitag: NW 5-6 Bft., in Böen 7 Bft. Um 1130h laufen Lisa, Sven und ich mit der inzwischen üblichen Segelgarderobe aus - 1. Reff im Groß, nach Verlassen des Hafens rollen wir das Stagsegel aus.


Wir segeln entlang des Sandstrandes von Porto Santo. Ein paar Fallböen veranlassen mich, rechtzeitig vor Erreichen des offenen Wassers das 2. Reff ins Großsegel einzubinden. Das ist auch gut so, denn als nach dem Passieren der SW-lichen Landspitze von Porto Santo die Wellen- und Windabdeckung entfällt, bekommen wir deutlich höhere Wellen und gleichmäßig mehr Wind zu spüren. Bis 60° Windeinfallswinkel lässt es sich noch gut segeln. Für einen spitzeren Windwinkel haben wir zu viel Segelfläche - es fehlt das 3. Reff (oder man bleibt im Hafen).

Barbara hat sich für ein alternatives Landprogramm entschieden und macht mit unseren Segelfreunden Regina und Bernd einen Spaziergang in den Ort.


Um 1545h sind wir zurück im Hafen an unserem Platz. Rechtzeitig genug, um alles an Bord aufzuklaren und den Häwelmann zu entsalzen (und uns auch), denn für den Abend haben wir einen Tisch reserviert für unser Abschiedsessen.



Dienstag, 23.04.2019

Lisa und Sven wandern entlang der Felsenküste und genießen die Ausblicke über den Atlantik.


Barbara und ich nehmen uns die seit längerem fällige Grundreinigung des Backofens vor.


Den Spätnachmittag verbringen wir mit Klönen und Relaxen.


Mittwoch, 24.04.2019

Am Morgen ist es bewölkt und recht frisch. Erst gegen Mittag klart es auf und wir gehen nochmals am herrlichen Sandstrand zu ,,unserer" Strandbar und genießen die schönen Orte Port Santos. Am Nachmittag packen Lisa und Sven ihre Sachen. Wir gehen zusammen zur Fähre. Sven und Lisa gehen an Bord.


Wir warten noch, bis die Fähre um 1800h ablegt.


Liebe Lisa, lieber Sven, es war eine großartige Zeit mit euch! Wir freuen uns, dass wir viele schöne gemeinsame Stunden hier an Bord des Häwelmann verbringen konnten, egal ob beim Bordleben, beim Segeln oder an Land. Super, dass wir so eine Etappe unserer Reise gemeinsam erleben durften.